Von normaler Sorge zur generalisierten Angststörung
Sorgen gehören zum Leben. Wer eine wichtige Prüfung, eine Diagnose oder ein Gespräch vor sich hat, macht sich Gedanken – das ist normal und sogar sinnvoll. Bei manchen Menschen aber hören die Sorgen nie ganz auf: Kaum ist eine Sorge beruhigt, rückt die nächste nach. Wenn dieses Sorgen zum Dauerzustand wird, kann eine generalisierte Angststörung dahinterstecken.
Was die generalisierte Angststörung ausmacht
Das Kennzeichen ist eine anhaltende, übermäßige Besorgnis, die sich nicht auf eine bestimmte Situation beschränkt, sondern gewissermaßen „frei flottiert“ – heute die Gesundheit, morgen die Finanzen, übermorgen die Sicherheit der Familie. Charakteristisch ist, dass das Eintrittsrisiko der befürchteten Ereignisse stark überschätzt und die möglichen Folgen katastrophal ausgemalt werden. Anders als bei einer Phobie, die sich auf ein konkretes Objekt richtet, sind die Sorgen hier vielfältig und wechselnd – und lassen sich nur schwer bewusst kontrollieren.
Von einer Störung im medizinischen Sinn spricht man üblicherweise erst, wenn dieses Muster über mindestens ein halbes Jahr an den meisten Tagen besteht und den Alltag deutlich beeinträchtigt.
Wenn der Körper mitsorgt
Anhaltende Anspannung bleibt selten im Kopf. Häufig kommen körperliche Beschwerden hinzu: innere Unruhe und Nervosität, Muskelverspannungen, Zittern, Schwitzen, Herzklopfen, Schwindel oder Magen-Darm-Beschwerden. Dazu Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit und Einschlafstörungen, weil das Gedankenkreisen nachts nicht zur Ruhe kommt. Nicht selten führen gerade diese körperlichen Beschwerden die Betroffenen zuerst zum Hausarzt, ohne dass die dahinterliegende Angst gleich erkannt wird.
Das Sorgen über das Sorgen
Ein besonderer Mechanismus hält die generalisierte Angst oft am Laufen: Viele Betroffene entwickeln mit der Zeit Sorgen über das Sorgen selbst – die Angst, das ständige Grübeln könnte schädlich sein oder außer Kontrolle geraten. Gleichzeitig hat das Sorgen oft eine heimliche, scheinbar schützende Funktion: „Wenn ich an alles denke, was schiefgehen könnte, bin ich vorbereitet.“ Diese vermeintliche Absicherung ist ein Grund, warum sich das Muster so hartnäckig hält.
Was hilft
Die generalisierte Angststörung ist gut behandelbar. In der Therapie geht es unter anderem darum, den Charakter der Sorgen zu verstehen: Welche Funktion erfüllen sie? Was würde passieren, wenn man eine Sorge einmal nicht zu Ende denkt? Statt jede einzelne Sorge inhaltlich zu widerlegen – ein Kampf, der kaum zu gewinnen ist, weil sofort die nächste nachrückt – setzt die Arbeit am grundlegenden Umgang mit Ungewissheit an. Denn im Kern steht oft die schwer erträgliche Unsicherheit, dass sich nicht alles kontrollieren und absichern lässt.
Eine kleine Reflexion
Nehmen Sie sich eine Sorge, die Sie aktuell beschäftigt, und fragen Sie sich: Hilft mir dieses Sorgen gerade, das Problem tatsächlich zu lösen – oder dreht es sich im Kreis, ohne mich weiterzubringen? Diese Unterscheidung zwischen lösungsorientiertem Nachdenken und reinem Grübeln ist oft der erste Schritt, um wieder etwas Abstand zu gewinnen.
Unterstützung in Hannover und Bad Münder
In der Einzeltherapie schauen wir gemeinsam, was Ihre Sorgen antreibt und wie Sie einen anderen Umgang mit ihnen finden können.
Quellen
- Deutsches Ärzteblatt – Generalisierte Angststörung: https://www.aerzteblatt.de/archiv/generalisierte-angststoerung-10e7aa8a-ad15-4785-97fe-6e3eec41bb21
- gesund.bund.de (BMG) – ICD-10-Code F41.1: https://gesund.bund.de/icd-code-suche/f41-1
- MSD Manual (Profi-Ausgabe) – Generalisierte Angststörung: https://www.msdmanuals.com/de/profi/psychiatrische-erkrankungen/anst-und-stressbezogene-erkrankungen/generalisierte-angststörung